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Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden
Gicht und Osteoporose sind Stoffwechselerkrankungen die rheumatische Beschwerden verursachen können.
Rheuma

Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden

Eine besondere Form rheumatischer Beschwerden sind diese, die als Folge anderer Erkrankungen auftreten. So entsteht Gicht z. B. durch eine Störung im Purin-Stoffwechsel. Osteoporose ist durch einen Verlust der Knochmasse geprägt, der durch eine Stoffwechselerkrankung der Knochen verursacht wird. Diese beiden Ausprägungsformen der Krankheiten des rheumatischen Formenkreises münden letzten Endes wie verwandte rheumatische Erkrankungen in starken Schmerzen und Einschränkungen des Bewegungsapparates, obwohl sie zunächst nicht in den Gelenken, sondern als Störung bestimmter Stoffwechselvorgänge entstehen.

Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden: Gicht

Die häufigste Stoffwechselerkrankung, die rheumatische Beschwerden verursacht, ist Gicht. Gicht entsteht durch eine Störung im Harnsäure- oder auch sogenannten Purin-Stoffwechsel. Purine entstehen als Abfallprodukt im Zellstoffwechsel oder werden über die Nahrung aufgenommen. Bei einem gesunden Menschen werden Purine zu Harnsäure abgebaut, die zu 80 Prozent über die Nieren und zu 20 Prozent über den Darm ausgeschieden wird.

Wird in den Nieren zu wenig Harnsäure abgebaut und verbleibt dementsprechend eine erhöhte Menge an Purinen im Organismus, steigt der Harnsäurespiegel an. Bei erhöhter Konzentration von Harnsäure, die über einen längeren Zeitraum im Organismus verbleibt, bilden sich sogenannte Urat-Kristalle. Diese Ablagerungen tauchen vermehrt im Gewebe auf, aber auch in den Gelenken. Fachärztlich wird dieses Phänomen als Hyperurikämie bezeichnet, die in zwei Arten unterschieden wird.

Die primäre Hyperurikämie ist die erbliche Form der Stoffwechselstörung, bei der in fast allen Fällen eine Einschränkung der Nierentätigkeit vorliegt. Als sekundäre Hyperurikämie werden Störungen des Harnsäurestoffwechsels bezeichnet, für die andere Faktoren auslösend sind, z. B. Diabetes mellitus, Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, Krebs und Folgen der Chemotherapie sowie bestimmte Medikamente oder übermäßiger Alkoholkonsum.

Gicht kann sowohl in akuten Schüben als auch chronisch auftreten. Mediziner unterscheiden vier Stadien von Gicht:

  • Stadium I, Hyperurikämie: Der Harnsäurewert liegt bei unter sieben Milligramm pro Deziliter im Blut, es zeigen sich keine Symptome von Gicht.
  • Stadium II, akuter Gichtanfall: Bestimmte Immunzellen reagieren mit abgelagerten Urat-Kristallen und lösen einen Entzündungsschub aus. Der Gichtanfall betrifft in den meisten Fällen ein Gelenk der Beine, sehr häufig die Zehen, insbesondere Gelenke der großen Zehe. Die Symptome entstehen heftig und schmerzhaft: Das betroffene Gelenk schwillt an, ist stark gerötet und überwärmt, und weist extreme Empfindlichkeit bei Berührung auf. Einige Betroffene leiden an starker Übelkeit, Fieber, Kopfschmerzen und Herzrasen. Ohne Behandlung kann ein akuter Gichtanfall bis zu zwei Wochen andauern.
  • Stadium III, anfallsfreie Phase: Zeitraum zwischen zwei akuten Gichtanfällen ohne Symptome. Die Harnsäurewerte sind weiterhin erhöht.
  • Stadium IV, chronische Gicht: Urat-Kristalle lagern sich als kleine, weiße Knötchen in der Nähe der Gelenke ab, selten auch in den Augen, sogenannte Gichtknoten. Die schmerzhaften Symptome liegen chronisch vor und schränken den Betroffenen bei jeder Bewegung ein. Im Verlauf der Erkrankung können auch die Nieren von den Ablagerungen betroffen werden, es kommt zu Nierengrieß oder -steinen, die die Nierenfunktion weiter einschränken. Versteifungen oder Deformierungen der betroffenen Gelenke sind weitere Folgen der chronischen Gicht.

Osteoporose

Schätzungen zufolge leiden laut Deutscher Rheuma-Liga etwa sechs Millionen Menschen in Deutschland an Osteoporose, wobei Frauen und ältere Menschen häufiger betroffen sind. Osteoporose ist eine Stoffwechselerkrankung der Knochen, die die Brüchigkeit des Skeletts im gesamten Körper zur Folge haben kann.

Ein durchschnittlicher Mensch besteht zu etwa fünf Kilogramm aus Knochen, wobei ein fünftel des Gewichts auf die innere Schicht des Knochens entfallen, die sogenannte Spongiosa. Diese ist in ihrer Struktur einem Schwamm sehr ähnlich und besteht aus einzelnen, kleinen Balken, medizinisch als Trabekel bezeichnet, zwischen deren Lücken z. B. Blut gebildet wird.

Das Knochengerüst sorgt für die Stabilität des Körpers und besteht zum Großteil aus einer Zwischensubstanz, die als Kalziumspeicher fungiert. Eine Verbindung aus Kalzium und Phosphat, das Hydroxylapatit, ist für den eigentlichen Halt verantwortlich. Die Knochen sind ein Leben lang ständiger Belastung ausgesetzt, wobei der Knochenstoffwechsel für den Abtransport schadhafter Substanzen, z. B. nach einer Fraktur, und der Neubildung der Zwischensubstanz verantwortlich ist.

Zum Abbau defekter Knochensubstanzen werden Knochenabbauzellen gebildet, die Osteoklasen, eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen. Diese Osteoklasen lösen die defekten Bestandteile aus dem Knochen heraus und hinterlassen eine Lücke, die anschließend von den Osteoblasten, den Knochenaufbauzellen wieder gefüllt werden. Im Prozess der Knochenmineralisierung wird die gefüllte Stelle durch kalziumphosphathaltige Substanzen (Hydroxylapatit) ausgehärtet.

Durch Störungen im Prozess des Knochenabbaus oder -aufbaus entsteht Osteoporose. Aufbau und/oder Abbau der Knochensubstanzen funktionieren nur noch unzureichend, was zur Brüchigkeit und Formveränderungen der Knochen führen kann. Unbehandelt befällt Osteoporose das gesamte Skelett und verursacht schlussendlich Gehunfähigkeit und Bettlägerigkeit.

Zur Vorbeugung des Voranschreitens und zum Umgang mit der Erkrankung selbst werden als therapeutische Maßnahmen vor allem eine kalziumreiche und Vitamin-D-haltige Ernährung sowie geeignete Bewegungseinheiten, wie Spazierengehen, Schwimmen oder Gymnastik empfohlen. Weiterhin zählen bestimmte Medikamente zur Unterstützung des Knochenaufbaus bzw. -abbaus zu den therapeutischen Maßnahmen bei Osteoporose.

Sabrina Mandel